Mehringhof

Gneisenaustr.2a
10961
Berlin
U-Bhf Mehringdamm

Lesung

mit Kai Pohl, Wolfgang Endler, Frank- Kirk Ehm- Marks, Erik Steffen, Johannes Jansen, Dago Langhans und Unterstützer

„Wenn sich die Menschen nicht erheben, erhebt sich am Ende das Meer, das Gras sprengt die Straßen, Mauern fallen im Wind, die dekorative Rhetorik der Herrscher wird ihnen als brennender Stahl auf die Füße fallen.“ (Kai Pohl, „1964 oder Das marktkonforme Schweigen der Seele des männlichen Machtsubjektes“, Distillery, Berlin, 2015)

Über weiblichen Wahnsinn und das Nichtfunktionieren

Anne Seeck referiert über „weiblichen Wahnsinn“ – eine rhetorische Figur, die die Unterdrückung von Frauen und Formen der Abweichung miteinander vereint. Sowohl in der Literatur und im wahren Leben: Frauen wurden zu Wahnsinnigen gestempelt oder reagierten mit Wahnsinn auf ihre Unterwerfung. Die Referentin wird einige „Wahnsinnsfrauen“ vorstellen.

Anschließend berichtet Christoph Wild aus der Beratungspraxis über die heutigen sozialen Konsequenzen des Nichtfunktionierens, das dem Wahnsinn folgt.

Podiumsdiskussion – Sich verweigern? Und was dann?

Vor mehr als 50 Jahren schlug Herbert Marcuse als Lösung die „Große Verweigerung“ vor. Verweigerung ist nicht mit Negation gleichzusetzen. Es geht nicht um bloßes Nichts-Tun oder radikale Versagung, sondern Verweigerung enthält ein Moment aktiven Wirkens und ein subversives Potenzial. Wir wollen etwas anders oder etwas anderes tun. Wir sagen „Nein“ und setzen damit kämpferische Signale, die Kompromisslosigkeit und Aggression, aber auch ein Interesse an Intervention ausdrücken. Wir wollen über eine „Kultur der Verweigerung“ debattieren.

Verrückt? Stigma und Repression

In dem Vortrag soll der Umgang mit Vorurteilen, Schuldzuweisungen und Diskriminierungen von Psychiatriebetroffenen beleuchtet werden. Welche Rolle spielen dabei Medien und die öffentliche Meinung? Die Betroffenen sind zudem mit Zwangsbehandlungen in der Psychiatrie und Polizeigewalt konfrontiert, die sogar tödlich enden können. Repressiv wird auch mit wohnungslosen Psychiatriebetroffenen umgegangen, sie sind Zwangsräumungen, Obdachlosenunterkünften oder einer Maßnahmenindustrie ausgesetzt.

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